Die Adriaküste der Emilia-Romagna, ein Ort, an dem man noch das authentische „italienische Dolce Vita“ genießen kann, mit Aperitifs bei Sonnenuntergang, Tanzen am Strand, Ausflügen in die Dörfer des Hinterlands, Hochkultur und Pop-Unterhaltung, Entschleunigung, Radtouren und Schwimmen bei Sonnenaufgang. Und jede Menge gutes Essen, von der mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Küche bis hin zum Street Food der Romagna par excellence: der Piadina.
Der Begriff „Dolce Vita“ ist hier zuhause: Federico Fellini, der 1960 den gleichnamigen Oscar-prämierten Film drehte, wurde in Rimini geboren.
Vielleicht wissen nicht alle, dass der Ausdruck „La dolce vita” von dem Journalisten, Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor Arnaldo Fraccaroli geprägt wurde, der ihn im Titel seines Theaterstücks „La dolce vita“ verwendete, ein Titel, den Fellini später wiederverwendete und somit berühmt machte. In Rimini widmet sich das Fellini Museum, das weltweit einzige dezentralisierte Museum, dem Maestro und erzählt von seiner Fantasiewelt zwischen dem antiken Castelsismondo, Residenz der Malatesta, den Herrschernvon Rimini von 1295 bis 1500, und dem Palazzo Valloni. Sobald man das Castelsismondo betreten hat, taucht man dank einer eindrucksvollen Kulisse aus 16 Etappen/Räumen und 33 Projektoren, 34 Monitoren und 26 Bildschirmen, auf denen insgesamt fünfeinhalb Stunden audiovisuelles Material in einer Endlosschleife gezeigt werden, auf magische Weise in die Welt des genialen Regisseurs ein. Der Palazzo Valloni, in dessen Erdgeschoss sich das berühmte Kino Fulgor befindet (wo der junge Federico beim Ansehen des Stummfilms Maciste all’Inferno (Maciste in der Unterwelt) aus dem Jahr 1925 von der Magie der Leinwand fasziniert war und beschloss, Filmemacher zu werden), erzählt die Geschichte der Kunst des Meisters auf drei Etagen: Im ersten Stock erhält man anhand eines digitalen Archivs Zugang in die Welt der Zeichnungen, Briefe und Dokumente Fellinis, im zweiten Stock kann man auch die Stimme des Meisters hören und seine Werke im „Cinemino” sehen, während sich im dritten Stock die Laterna magica aus Fellinis Film Casanova sowie eine Bar und einige Schaukästen befinden. (https://fellinimuseum.it/en/).
Nach dem Besuch des Fellini-Museums geht die Reise durch die Fantasiewelt des Meisters mit einem Spaziergang zwischen den Wandmalereien des Borgo San Giuliano weiter, die dem großen Regisseur gewidmet sind. Anschließend kann man sich einen Kaffee oder einen Aperitif auf der Terrasse des legendären Grand Hotels gönnen (das Fellini in Amarcord „erwähnt“), einem wunderschönen architektonischen Beispiel des Jugendstils, das 1994 von der Denkmalschutzbehörde zum Nationaldenkmal erklärt wurde. Das Hotel organisiert regelmäßig das „Belle Epoque-Frühstück“, ein unvergessliches Erlebnis in den historischen Salons des Hotels, begleitet von Live-Musik und süßen und herzhaften Köstlichkeiten, die von den Konditoren des Hotels zubereitet werden, sowie thematische Sommerdinners auf der Terrasse mit Blick auf den eleganten Garten.
Von der Welt Fellinis zu der von Lord Byron: Nur wenige Kilometer von Rimini entfernt liegt Ravenna mit seinen wunderschönen byzantinischen Mosaiken, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Die Stadt hat ihrem berühmten Gast George Byron und seiner leidenschaftlichen Liebesgeschichte mit der Ravennerin Teresa Gamba ein Museum gewidmet. Das Byron-Museum, das kürzlich auch von der englischen Königin Camilla besucht wurde, befindet sich im prächtigen Palazzo Guiccioli in der Via Cavour, im Herzen der Altstadt. Die 24 Räume des Palazzo (in dem sich auch das Museum des Risorgimento und das Puppenmuseum befinden) bieten den Besuchern einen Überblick über das Leben und Werk Byrons anhand einer zweifachen Erzählebene, wobei einerseits Memorabilien wie Bücher, Briefe, Reliquien, Gemälde, Dokumente sowie Porträts und Zeugnisse der Liebesgeschichte der beiden Liebenden ausgestellt sind. Zu sehen sind die Erinnerungsstücke, die Teresa aufbewahrt hat, vor allem Briefe, aber auch Gegenstände wie Haare von Lord Byron, Medaillons, Stoffstücke, die Asche einer Rose und das Tagebuch aus Ravenna, das vom Dichter signiert ist.
Die zweite Ebene besteht aus einem immersiven Bereich mit Videos und Animationen, die mithilfe von Augmented Reality die Schauplätze der damaligen Zeit nachbilden. Die Erzählung reicht von der Reise des Dichters durch Europa bis nach Venedig, wo er Teresa trifft, über den Umzug nach Ravenna bis hin zum griechischenUnabhängigkeitskampf. Zwischen den einzelnen Erzählungen durchschreitet man weitere, hochinteressante Räume, wie denjenigen, der den Versen von Don Juan und Manfred gewidmet ist, zwei absoluten Meisterwerken. Und schließlich die Erinnerung an die letzte Reise des Dichters: sein Tod in Missolungi, die Einbalsamierung seines Leichnams und dessen Überführung nach England in einem Brandy-Fass, die Beerdigung, bei der der Adel nur durch den Kutscher des Hauses vertreten war und die Weigerung, ihn in der St. Paul’s Cathedral in Westminster beizusetzen.
Nach der Kultur gibt es nichts Besseres als einen Aperitif, egal ob man sich für ein Lokal in den gemütlichen Gassen von Ravenna, eine Strandbar in Rimini oder Riccione oder eine Bar an einem schönen Platz im Hinterland entscheidet. Wie in Bertinoro, einem Dorf in der Nähe von Forlì, eingebettet zwischen sanften Hügeln und Weinbergen und wegen seiner erhöhten Lage (300 Meter über dem Meeresspiegel) auch „Balkon der Romagna” genannt, wo ein kleines Denkmal mit einer faszinierenden Geschichte steht: die Säule der Gastfreundschaft.
Es wird erzählt, dass es in der Vergangenheit unter den Adelsfamilien des Dorfes zu Streitigkeiten darüber kam, wer die Reisenden, die nach Bertinoro kamen und Neuigkeiten und Informationen mitbrachten, beherbergen durfte. Um diese Streitigkeiten beizulegen, wurde im Jahr 1200 eine Säule mit 12 Ringen errichtet, einem für jede Familie. Der Reisende, der sein Pferd nach Zufallsprinzip an einem dieser Ringe festband, wurde automatisch zum Gast der entsprechenden Familie und sofort in die Gemeinschaft aufgenommen. Seitdem ist Bertinoro das Dorf der Gastfreundschaft, die jedes Jahr im September mit einer Gedenkfeier gewürdigt wird. Direkt unterhalb der Piazza della Libertà, auf der die Säule steht, befindet sich die Cà de Bè (im Dialekt der Romagna für Casa del Bere), eine Weinbar mit einer großen Terrasse, von der aus man an schönen Tagen die Aussicht genießen und ein Glas guten Albana (eine weiße Rebsorte, für deren Anbau die Gegend um Bertinoro besonders geeignet ist) trinken kann, begleitet von Piadina, Wurst und Schinken und typischen Gerichten aus der Romagna.
Ein weiterer hübscher Ort in der Romagna für einen Aperitif oder ein typisches Mittag- oder Abendessen ist Santarcangelo di Romagna, kurz hinter Rimini. Der „obere” Teil des Ortes bietet Ruhe und einen malerischen Spaziergang zwischen niedrigen Backsteinhäusern mit Blick auf die umliegenden Hügel, aber erst wenn man unter das Straßenniveau hinabsteigt, offenbart dieser reizvolle Ort eine geheimnisvolle und faszinierende Seite. Unter den eleganten Palazzi seiner Altstadt verbirgt sich nämlich eine unterirdische Welt aus Höhlen, Brunnen, Tunneln und Gängen, die eine Parallelstadt zur oberirdischen Stadt bilden. Der kleine Hügel (Monte Giove), auf dem der älteste Teil des Ortes mit der imposanten Rocca Malatestiana liegt, beherbergt ein weit verzweigtes Netz von unterirdischen Gängen, die in Sandstein und Lehm gegraben wurden. Ein Labyrinth aus Korridoren, Räumen und Nischen, das sich auf mehreren Ebenen erstreckt und aus 160 Höhlen besteht, schlängelt sich unter den Fundamenten der Häuser und den Pflastersteinen der Plätze, auf denen man normalerweise spazieren geht. Eine Überraschung mit unwiderstehlichem Charme.
Und wenn man wieder ins Freie tritt, gibt es nichts Schöneres, als sich in eine der vielen Bars oder Cafés auf den Plätzen und Straßen des Ortes zu setzen, um ein gutes Glas Sangiovese oder einen von den lokalen Barkeepern kunstvoll zubereiteten Cocktail zu genießen und das geruhsame Leben des Ortes mit seinen Geschäften und Osterien vorbeiziehen zu lassen, in denen die Tagliatelle al ragù, die zu den typischsten und charakteristischsten Gerichten der Romagna gehören, das Sagen haben.
Eine der besten Möglichkeiten, die Riviera Romagnola zu entdecken, ist es, sich an den Tisch zu setzen und die Küche zu probieren. Entlang der 110 km langen Küste und im Hinterland wechseln sich Sterne-Restaurants, traditionelle Fischküche und das lokale Streetfood par excellence, die Piadina, ab, die man unbedingt auf der Straße essen sollte, an einem der vielen Kioske oder kleinen Bars, die man in jedem Badeort findet. Die „Piada“, die man in den nördlicheren Gegenden isst, unterscheidet sich jedoch von der, die man in der Gegend um Rimini findet. Letztere ist dünner und fettärmer, damit sie sich nach dem Belegen besser rollen lässt, während die erstere dicker ist und viel Schmalz enthält. Für Feinschmecker ist Cesenatico ein Muss, wo Restaurants und Trattorien am von Leonardo da Vinci neu gestalteten Portocanale und in dessen UmgebungGerichte aus lokalem Fisch anbieten, der von den einheimischen Fischern gefangen wird. Wer an der Küste und im Hinterland auf der Suche nach Sterneküche ist, hat die Qual der Wahl: ein Restaurant mit 2 Sternen (Magnolia in Longiano, in den Hügeln zwischen Cesena und Rimini) und fünf Restaurants mit einem Stern (La Buca in Cesenatico, Abocar und Da Lucio in Rimini, Da Guido in Miramare di Rimini und Il Piastrino in Pennabilli im Hinterland von Rimini), die sowohl klassische als auch kreative Küche anbieten und stets mit Produkten aus der Region arbeiten.
Und wenn Sie nach dem Essen ein schlechtes Gewissen haben, ziehen Sie einfach Ihre Laufschuhe an oder schwingen Sie sich aufs Fahrrad, um die überschüssigen Kalorien wieder loszuwerden. Alle 12 Badeorte der Riviera Romagnola haben ihre Strandpromenaden komplett renoviert und für den Verkehr gesperrt. Bei den durchgeführten Maßnahmen wurde besonderes Augenmerk auf die verwendeten Materialien gelegt, vom Holz über recycelte Materialien und Lacke bis hin zu drainierenden Bodenbelägen und natürlichen Sanddünen, sowie auf die Pflanzen, die alle autochthon und typisch für die mediterrane Macchia sind und für die Grünflächen verwendet wurden. Radwege, Fitnessbereiche und Zugänge für Menschen mit Behinderungen sind der gemeinsame Nenner aller neuen Uferpromenaden, die über effiziente und geräumige Park-and-Ride-Parkplätze verfügen, die durch Shuttle-Services unterstützt werden.
Für diejenigen, die die Romagna mit dem Fahrrad erkunden möchten, gibt es viele Radwege, die als „Verbindungsglied“ zwischen der Küste und dem Hinterland dienen, wie beispielsweise die Via Romagna mit ihren 462 km ausgeschilderten und gesichertenStrecken zwischen Meer und Hügeln undeinem Höhenunterschied von über 6.000 m. Eine Ringroute, die in Etappen zurückgelegt werden kann und die Provinzen Ferrara, Ravenna, Forlì-Cesena und Rimini verbindet. Sie führt durch etwa 30 Gemeinden und kommt an 20 Burgen und historische Dörfer sowie über 100 fahrradfreundliche Unterkünfte, B&Bs und Agriturismi vorbei, die auf der Karte eingezeichnet sind. Und wenn Sie die kontemplative Stille einer Wanderung bevorzugen, gibt es den Cammino di San Francesco zwischen Rimini und dem Heiligtum von La Verna in der Toskana, der an einigen Orten vorbeiführt, die der Heilige auf seiner Reise im Jahr 1213 besucht hat. Der Weg beansprucht ungefähr 5 Wandertage und führt von der Adria bis in den toskanisch-romagnolischen Apennin entlang des faszinierenden Marecchia-Flusstals, das noch heute von jahrhundertealten Wäldern, befestigten Dörfern, alten Pfarrkirchen und spektakulären Ausblicken geprägt ist.
An Gelegenheiten für ein Wochenende an der Riviera Romagnola mangelt es nicht, von großen Sportveranstaltungen (Moto GP in Misano Adriatico, Ironman in Cervia) über Unterhaltung (mit großen Konzerten und der Notte Rosa, dem italienischen „Sommer-Silvester“, das am Wochenende der Sommersonnenwende stattfindet) bis hin zu Ausstellungen und Veranstaltungen im Bereich Kunst und Kultur. Nicht verpassen sollten Sie „Riviera Dream Vision“, eine originelle Ausstellung, die zwischen Februar und Mai in den Palazzi dell’Arte in Rimini stattfindet und 75 Jahre Mode „made in Romagna” präsentiert, von den ikonischsten Kleidern von Marken wie Moschino, Alberta Ferretti und Iceberg bis hin zu Schuhen, die für Michael Jackson und Beyoncé entworfen wurden.