Im November 2026 wird die Gala Italia wieder in München stattfinden – mit einer neuen Ausgabe, die ganz im Zeichen der italienischen Kultur, Musik und Exzellenz steht. Auf dem Orchesterpult wird eine junge Dirigentin stehen, die in den letzten Jahren in der europäischen Musikszene zunehmend Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat: Sophia Nahirniak. Die in Kiew in der Ukraine geborene Sophia Nahirniak repräsentiert eine neue Generation von Musikern, die sich mühelos zwischen Tradition und Moderne, zwischen Chorgesang und Sinfonieorchester sowie zwischen internationalen Erfahrungen und einer soliden akademischen Ausbildung bewegen. Ihre musikalische Laufbahn begann an der Glier Music Academy in Kiew und setzte sich an der National Music Academy of Ukraine fort, wo sie bei Professor Yevhen Savchuk studierte, einer der maßgeblichen Persönlichkeiten der ukrainischen Chorleitung. Seit 2022 besucht sie die Hochschule für Musik und Theater in München, wo sie ihr Studium für Chorleitung, und ab 2025 auch das für Orchesterleitung vertieft. Ein Werdegang, der von einer großen musikalischen Neugier und dem ständigen Willen nach Weiterentwicklung zeugt. Im Laufe der Jahre nahm sie an Meisterkursen und Workshops bei einigen der bedeutendsten europäischen Chorinstitutionen teil, darunter beim WDR Rundfunkchor, dem Chorwerk Ruhr und der Zürcher Sing-Akademie, und arbeitete dabei mit international renommierten Dirigenten und Dozenten wie Michael Gläser, Denis Rouger, Johannes Prinz, Florian Helgath und David Hill zusammen. Parallel zu ihrer Ausbildung sammelte Sophia Nahirniak Erfahrungen als Dirigentin und Assistentin bei verschiedenen Ensembles in München, darunter beim Madrigalchor der Hochschule für Musik und Theater, dem Universitätschor München und dem Chor München Klang. Seit 2025 ist sie zudem zweite Dirigentin des Frauenchors Harmunichs, einer der interessantesten Ensembles der bayerischen Chorszene. Ihr künstlerisches Schaffen beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Dirigentenarbeit. Als ausgebildete Sopranistin sang sie in renommierten Chören in Deutschland und der Ukraine und trat sowohl als Chorsängerin als auch als Solistin in verschiedenen europäischen Ländern auf. Diese Erfahrungen ermöglichen es ihr, ihre Arbeit am Dirigentenpult mit einem besonderen Gespür für die Stimme und die klangliche Ausgewogenheit anzugehen. Im Bereich der Orchesterleitung arbeitete sie unter anderem mit dem Philharmonischen Orchester Jena unter der Leitung von Georg Fritzsch zusammen und baute damit ihre berufliche Laufbahn weiter aus, die in den letzten Jahren auch durch das Deutschlandstipendium und das Förderprogramm „Offene Chancen“ große Anerkennung gefunden hat. Ihre Teilnahme an der Gala Italia 2027 nimmt eine besondere Bedeutung an. Das Projekt, das ins Leben gerufen wurde, um die italienische Kultur im Herzen Europas zu fördern, hat stets den Dialog zwischen musikalischen Traditionen, aufstrebenden Talenten und großen Interpreten in den Vordergrund gestellt. Die Entscheidung, Sophia Nahirniak mit der musikalischen Leitung zu betrauen, bestätigt diese internationale Ausrichtung und richtet den Blick anhand einer Persönlichkeit, die akademische Ausbildung, künstlerische Erfahrung und eine offene Sichtweise auf die Musik vereint, auf die Zukunft. Für das Publikum der Gala Italia bietet sich die Gelegenheit, eine Dirigentin kennenzulernen, die zu einer neuen Generation von Protagonisten der europäischen Musikszene gehört und das Repertoire mit Präzision, Feingefühl und einem ausgeprägten Gespür für die menschliche Dimension der Musik interpretiert.
Die Chormusik spielte eine zentrale Rolle in Ihrer Ausbildung. Inwiefern beeinflusst diese Erfahrung heute Ihre Herangehensweise an das Dirigieren?
Die Chormusik hat mir vor allem ein Gespür für Text und Atmung mitgegeben. Wenn ich heute ein Orchester leite, versuche ich jede Phrase von der Gesangslinie auszudenken, mit natürlichen Phrasierungen, die aus dem Singen kommen.
Sie haben in der Ukraine und in Deutschland studiert und gearbeitet. Welche kulturellen und musikalischen Unterschiede haben Ihren künstlerischen Werdegang am meisten bereichert?
Ich sage manchmal, die Ukraine hat mir das Herz für die Musik gegeben, und Deutschland den Kopf dafür. Ich würde gerne in meiner Arbeit die beiden verbinden zu können: emotionale Intensität zusammen mit analytischer Präzision.
Im November 2026 werden Sie die Gala Italia in München dirigieren. Was bedeutet es für Sie, an einer Veranstaltung teilzunehmen, die die italienische Kultur im Herzen Europas feiert?
Italien war das Lieblingstland meiner Mutter. Die italienische Lebens- und Musiktradition fasziniert mich daher seit der langem und Puccini nimmt darin einen besonderen Platz ein. Dass ich nun selbst Suor Angelica dirigieren darf, schließt für mich einen ganz persönlichen Kreis.
München beherbergt eine der bedeutendsten italienischen Gemeinschaften Europas. Was für ein Gefühl ist es, vor einem Publikum zu dirigieren, das so eng mit Italien verbunden ist?
Das ist eine große Verantwortung für mich. Die Musik soll nicht nur stimmen, sondern auch emotional wahrhaftig sein – darauf richte ich meine Arbeit aus.
Was raten Sie jungen Frauen, die sich für diesen Beruf begeistern und eine Karriere als Dirigentin anstreben?
Einfach machen, machen, machen. Weniger hinterfragen, mehr ausprobieren – die Sicherheit kommt mit der Erfahrung, nicht davor.
München gehört zu den Städten mit einem sehr anspruchsvollen Publikum. In Deutschland gibt es sehr viele Theater mit täglichen Aufführungen, und das Publikum ist nicht nur bestens vorbereitet, sondern ist generell auch sehr gut mit klassischer Musik vertraut. Wir wird die Aufführung von Giacomo Puccinis Oper „Suor Angelica“, die zum Gedenken an den 800. Todestag des Heiligen Franz von Assisi ausgewählt wurde, Ihrer Meinung nach auf dieses Publikum wirken?
Die Oper ist unglaublich emotional schwer, und die Verbindung zum Heiligen Franz von Assisi verleiht ihr eine zusätzliche spirituelle Dimension. Gleichzeitig geht es für mich in dem Stück nicht nur darum, die Spiritualität zu bestätigen, sondern eine Persönlichkeitsentwicklung zu zeigen. Ich will Suor Angelica weniger als Opfer und mehr als starke Persönlichkeit verstehen. Sie versucht, ihr Leben selbst zu bestimmen – in einer Situation, in der ihr die Kraft über ihr eigenes Leben genommen wurde. Und indem sie sich das Leben nimmt, tut sie das Einzige, worüber sie noch Macht hat – und wird dafür erlöst. In diesem Sinne endet die Oper ziemlich optimistisch, und ich hoffe, dass das beim Publikum als inspirierend ankommt.